Dank der aktiven Hilfe von „Los Amigos“ konnte auch im Jahr 2015 zahlreichen kleinen Patienten des Hospital del Niño in Lima / Perú und deren Umfeld geholfen werden.

Aktiv geworden sind die „Amigos“ u.a. durch die jährliche Informationsveranstaltung beim „Tag der offenen Tür“ des Lessing-Gymnasiums Lampertheim (Januar) sowie bei Kuchenverkauf- und Catering-Aktionen.

Als Mitarbeiterin der Abteilung Biologische Psychologie und Entwicklungspsychologie der Universität Heidelberg sammelte unsere Amiga der ersten Generation, Christine Michel, das ganze Jahr hindurch fleißig die Flaschen sämtlicher Kollegen. Durch die Pfandeinnahmen erhöhte sich das Spendenaufkommen um 100 Euro. Herzlichen Dank!

Das Projektziel für 2015 war die Anschaffung mobiler Beatmungsgeräte für die im Jahre 2014 neu gegründete Palliativstation des Hospital del Niño. Durch unsere Aktionen sowie durch die regelmäßigen, teils sehr großzügigen Privatspenden konnten wir insgesamt 5.500,00 Euro nach Lima schicken und somitunser Ziel erreichen.

Unsere Amiga der zweiten Generation, Leonie Grieser, hat sich im Mai 2015 einen eigenen Eindruck vom Hospital del Niño verschafft: Auszüge ihres Erfahrungsberichtes vermitteln sehr eindrucksvoll die Situation unserer Zielgruppe. Lesen Sie selbst:

Liebe Amigos,
als ich Mitte Mai in Peru zu Besuch war, habe ich das Hospital del Niño besucht!

Endlich den Ort zu sehen, für den wir schon seit Jahren Geld sammeln, war wirklich spannend!

Dort angekommen, war ich als allererstes überrascht, wie riesig das Krankenhaus ist! Es besteht aus vielen verschiedenen Gebäuden, und so viele Menschen sind darin anzutreffen! Ich habe noch nie so viele Kinder auf einem Fleck erlebt!

Die Gebäude sind wie um einen Platz herum gebaut. Hier kann man Süßigkeiten kaufen, spielen und sich einfach ein bisschen ausruhen. Was erstmal relativ idyllisch klingt, sieht in Wirklichkeit ganz anders aus: Die Häuser sind heruntergekommen, die Fenster vergittert, und überall blättert die Farbe ab! So wie wir Krankenhäuser kennen, sauber, gepflegt und vor allem ohne ernsthafte Mängel, so sieht es dort überhaupt nicht aus.
Es war voll, und überall saßen Mütter mit ihren Kindern im Arm. Die meisten von ihnen sahen sehr besorgt aus, aber die Kinder hatten fast alle ein Lächeln auf den Lippen!

Ich lief durch das kleine Labyrinth von Gebäuden, um Vicky, die Direktorin und unsere Ansprechpartnerin vor Ort, zu treffen. Um zu ihrem Büro zu gelangen, muss man an der „Notaufnahme“ vorbei. Die muss man sich so vorstellen: Es gibt einen breiten Flur mit einer Tür. Hinter dieser Tür sind die Behandlungszimmer. Unglaublich viele Menschen warten darauf, in diese Zimmer zu kommen. Zwei Schwestern nehmen die Daten der Patienten auf. Sie sitzen an einem kleinen Tisch auf der rechten Seite des Flures, vor ihnen mindestens 70 wartende Familien.

Auf der linken Seite sitzen ungefähr noch einmal genauso viele Menschen auf der Fensterbank oder lehnen an der Wand. Mitten im Flur springen die Kinder herum und ab und zu auch eine Mama, die versucht, ihr Kind wieder einzufangen. Es ist sehr laut und chaotisch, doch alle scheinen sehr dankbar zu sein, dass sie genau dort sind, wo sie hin wollten. Immer mal wieder versucht eine Krankenschwester, den nächsten Patienten aufzurufen, was sich aufgrund der Lautstärke als schwierig gestaltet… !

Ganz am Ende des Flures befindet sich das Büro von Vicky. Es ist winzig klein, und direkt an der Tür sitzt ihre Assistentin, die uns empfängt. Vicky ist die einzige Ärztin in ganz Peru, die sich der Betreuung von Familien angenommen hat, deren Kinder so schwer erkrankt sind, dass man ihnen nicht mehr helfen kann. Generell empfindet oder empfand man diese Betreuung in Peru als überflüssig. Daher ist es einzigartig, was diese Ärztin leistet, und die Familien sind alle mehr als dankbar, dass man sich in einer so schweren Zeit um sie kümmert!

Sowohl für die Eltern und Geschwister als auch für das erkrankte Kind selbst bietet Vicky Unterstützung und Betreuung an, und dies bis zum Tod des Kindes und darüber hinaus.

Genau aufgrund der Einzigartigkeit (in Peru) finde ich die Größe ihres Büros mehr als überraschend. Es passen wirklich mit Ach und Krach zwei Tische mit Computern herein sowie zwei Stühle für Besucher.

Um auch die kleinen Patienten kennenzulernen und um zu sehen, wie sie ihre Zeit im Krankenhaus verbringen, besuche ich eine Frauengruppe: Je nach Wochentag sind zehn bis 15 Frauen im Krankenhaus tätig, die in „ihrer“ Abteilung ca. zwölf Kinder betreuen.

In dem kleinen Zimmerchen, in dem sie sich treffen, sind jede Menge Spiele, Malutensilien und Schulsachen. Es wird kurz besprochen, wer wohin geht und mit welchem Kind welche Aktivität unternommen wird. In Patienten-Portfolios finden die Frauen Informationen zum Alter und der Schulbildung der jeweiligen Patienten, und nach jedem Besuch wird dokumentiert, was mit den Kindern unternommen wurde und wie es ihnen geht.

Da die meisten Kinder sehr lange im Krankenhaus sind und keinen Unterricht bekommen, ist es sehr wichtig, dass sie auch weiterhin lernen können. Und ganz anders als bei den meisten Schülern in Deutschland freuen sich die Kinder hier, wenn sie etwas lernen dürfen, und sie sind auf ihre Lernerfolge sehr stolz!

Von den zwölf Kindern, in deren Gruppe ich anwesend sein darf, haben nur drei Besuch von ihren Eltern, die anderen sind alleine. Das liegt zum einen an den Besuchszeiten und zum anderen daran, das viele Eltern zu weit weg von Lima leben und noch viele andere Kinder zu Hause haben, um die sie sich kümmern müssen.

Nach insgesamt zwei Stunden ist mein Besuch bei den Kleinen zu Ende und ich gehe wieder zurück zur Frauengruppe, um dort zu besprechen, wie alles geklappt hat.
Die Frauen sind unglaublich lieb und neugierig: Sie wollen wissen, wer ich bin, woher ich komme, was die „Los Amigos“ so machen. Und dann danken sie mir herzlich für unsere Hilfe!

Diese Frauen arbeiten alle ehrenamtlich und haben sichtlich Spaß dabei. Sie fiebern mit ihren Schützlingen mit und freuen sich über jeden Fortschritt und mit jedem Kind, das wieder nach Hause darf.

Zum Abschluss meines Aufenthaltes werde ich in ein großes Krankenzimmer geführt, in dem zwölf Betten stehen. Dort gibt es eine Besonderheit: An einer Wand des Zimmers steht ein Kasten mit Ästen, an denen Kokons von Schmetterlingen hängen. Die Kinder in diesem Zimmer sind ernstlich krank und haben deshalb einen besonders langen Krankenhausaufenthalt vor sich. Sie dürfen während ihres Aufenthaltes beobachten, wie die Raupen sich ihren Kokon spinnen und später als Schmetterling schlüpfen! Das Warten auf den Entwicklungsprozess der Schmetterlinge steht sinnbildlich für die lange Zeit des Heilungsprozesses, und die Kinder nehmen so ihre Situation geduldiger an.

Der Ausflug in „unser“ Krankenhaus hat mich wirklich sehr berührt und beschäftigt, und ich bin sehr froh, dass wir alle zusammen als „Los Amigos“ helfen, dieses Krankenhaus mitzugestalten und die Situation vieler Patienten zu verbessern!

Nach diesem anschaulichen Erfahrungsbericht bleibt mir nunmehr lediglich, meinen Dank an alle auszusprechen, die den kleinen Patienten des Hospital del Niño durch ihren Fleiß und unermüdlichen Einsatz schon über drei Schülergenerationen hinweg helfen:

Dankeschön! – ¡Muchísimas gracias, amigas y amigos!

Ida Garaycochea, Neujahrstag 2016